Indonesien

Besondere Begegnungen in Indonesien

„Ein Beitrag meiner ersten Weltreise – April 2015 „

Im Vergleich zu Thailand wird man in Indonesien als allein Reisende ganz anders wahrgenommen, was bestimmt auch auf den religiösen Unterschied zurück zu führen ist. Der größte Teil der Menschen hier sind Moslime und das macht es nicht unbedingt einfacher. Im Flugzeug war ich gefühlt die einzige Weiße und am Flughafen ebenso. Die Menschen starrten mich an und Kinder zeigten mit dem Finger auf mich. Doch waren alle freundlich und hilfsbereit. Und das zog sich wie ein roter Faden während meiner Reise durch Indonesien. Am meisten bleiben mir die Menschen aus Indonesien in Erinnerung, mit denen ich intensiv Kontakt aufbauen konnte.

 

Wiwi ein Mädchen wie ich:


Ich lernte Wiwi in einem Gasthaus in Jakarta auf der Insel Java kennen. Wir hatten eine lange Unterhaltung. Sie war zu den Zeitpunkt genau wie ich, 29 Jahre alt. Wiwi hat schon zwei Kinder. Sie ist eine starke Frau. Sie ist bereits geschieden, obwohl das in Indonesien auf Grund des moslemischen Glaubens oft verpönt wird. Es ist nicht einfach für sie, als allein stehende Frau in dieser Kultur zu leben, viele Menschen haben sich abgewandt und reden schlecht über sie. Aber sie managt ihr Leben mit ihren Kindern gut. Sie erzähle mir, dass sie immer wieder aufstehen und neue Kraft sammeln muss. Außerdem sagte sie mir, dass es ihre Kinder sind woraus sie Kraft schöpft und was sie nach vorne schauen lässt. Wiwi ist moslemisch, trägt jedoch kein Kopftuch, stylt sich gern und schminkt sich. Sie sagt, sie ist eine moderne, flexible Moslemin. Sie hat einen guten Job bei einer Versicherung und befand sich zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns trafen auf einer Fortbildung, eigentlich kommt sie aus dem Osten von Java. Wiwi war begeistert von meinem Mut, als Frau alleine die Welt zu bereisen. Sie hat mir wichtige Worte auf Indonesisch beigebracht und ich ihr dafür einige deutsche Wörter. Außerdem hat Wiwi mir sehr viel von der Indonesischen Kultur und den unterschiedlichen Religionen erzählt und ich ihr von Deutschland. Sie zeigte mir tradizionelle Musik aus Indonesien und Musik zu der sie mit ihren Freunden tanzen geht. Wiwi ist ein Mädchen wie ich, in meinem Alter mit den gleichen Interessen.

Doch haben wir zwei komplett unterschiedliche und vor allem individuelle Leben, auch weil vieles im Leben durch die äußeren Einflüsse und dem Umfeld bestimmt wird. Diese Begegnung relativiert so viel und bringt mich zum Nachdenken. Wiwi eine Frau wie ich, in einer anderen Welt.

Von Jakarta machte ich mich schnell wieder auf, da diese Stadt nicht viel schönes zu bieten hat. Eine riesige Großstadt mit verstopften Straßen, vielen Abgasen, staubigen lauten Baustellen, gefährliche Löcher die sich im Boden beim spazieren auf tuen.


Also von Jakarta machte ich mich mit dem Flugzeug auf nach Sumatra. Eine super Entscheidung. Also landete ich in Medan im Norden von Sumatra. Nach einer Nacht und einem kurzen Stop im Krankenhaus, auf Grund einer Wunde, verließ ich die große Stadt Medan, um in den Dschungel zu fahren. Nach 3 aufregenden Stunden mit dem Bus von Medan in Richtung Dschungel, kam ich in Bukit Lawang an. Ein wundervoller Ort. Ich kam in einem Bungalow eines netten Familienbetriebes unter.

 

 

 

 

The second Life of Moglie:

In Bukit Lawang traf ich am zweiten Tag auf Dedy. Wir kamen ins Gespräch, weil er sah wie ich Indonesisch lernte. Er setzte sich zu mir und wir tauschten weitere Indonesisch-Deutsche Wörter mit einander aus. Später lud er mich ein mir die Gegend zu zeigen. Wir stapften durch den Dschungel zu einem Fluss und trafen dort auf einen Freund von Dedy, der gerade fischen gehen wollte. Wir klingten uns mit ein und unterstützten ihn beim fischen, am Flussufer in einer kleinen Hütte bereiteten wir die kleinen Fische zu. Mit Chilli, Öl in einer Pfanne und geräucherten Fisch. Ich habe noch nie so guten Fisch.

 

unsere Outdoor Küche
der beste Fisch ever!

 

 

 

 

 

 

 

Aber nun zu Dedy, ich merkte sehr schnell wie gut er sich im Dschungel auskennt jede Pflanze und die ganze Tierwelt war ihm bekannt. Mit Leichtigkeit und natürlich Barfuß bewegte er sich durchs Gestrüpp , über Stock und Stein. Ganz klar, er ist im Dschungel aufgewachsen und dieser war in jungen Jahren schon sein Spielplatz. Dedy kann ohne Hilfe im tiefsten Urwald Monate lang überleben. Da kann ich deutsche Kartoffel nicht mithalten. Aber das kann niemand der nicht in der Welt des Regenwalds aufgewachsen ist. Die Zeit mit Dedy hat mir wieder klar gezeigt, dass Menschen von ihrer Umwelt in der sie aufwachsen deutlich beeinflusst werden. Deswegen wurde Teddy für mich zu Mogelei aus Bukit Lawang und das nicht nur weil er so aussah, sondern weil er auch im Dschungel aufwuchs.

Moglie brachte mich auf den Geschmack den Dschungel zu erkunden. Mit einer Freundin aus Frankreich und Moglie als Guide, machte ich mich also einige Tage später für 3 Tage und 2 Nächte auf zu einem Dschungel Trek.

Juliette aus Frankreich

Eine aufregende und anstrengende Angelegenheit die mich an meine Grenzen bringen sollte. Wir lernten uns mehr und mehr kennen und Dedy erzählte mir seine Lebensgeschichte. Er lebte schon immer mit seiner Familie in Bukit Lawang, dieses Dorf liegt am Ufer eines reisenden Flusses mitten im Dschungel. Im Jahre 2003, Dedy war gerade 17 Jahre alt, ereignete sich eine große Naturkatastrophe in seinem Dorf. Ein anderer Fluss tief im Dschungel brach und die Mengen an Wasser strömten in den Fluss des kleinen Dorfes. In Sekunden wurde das Dorf von einer riesigen Flut überschwemmt. Es war 23 Uhr abends und die Menschen im Dorf wurden wach, weil sich der Fluss anders als gewohnt anhörte. Das Wasser des Flusses stieg an. Die Wassermassen drangen in die Häuser ein und Dedy´s Familie rannte einen Hügel hinauf. Als seine Familie etwas weiter in Sicherheit war, sagte er sie sollten alleine weiter gehen, er würde zurück gehen und die wichtigsten Dinge aus dem Haus retten. Als er durchs Haus lief, ging es rasend schnell und er stand bis zum Hals im Wasser. Dedy sagte er hatte Todesangst, er dachte er müsste sterben. Er ließ alles fallen, was er zuvor noch retten wollte, jetzt ging es um sein Leben. Er konnte sich nicht schnell bewegen in der Strömung des Wassers, aber schaffte es sich aus dem Haus zu kämpfen. Als er draußen war, versuchte er in Richtung Hügel zu entkommen. Durch einen Felsen wurde die Flut in zwei Teile gespalten und Dedy versuchte auf diesen Felsen zu steigen, doch da sah er vom weiten schon eine Flutwelle kommen. Mit all seiner Kraft kämpfte er sich aus dem Wasser. Am Land rannte er um sein Leben, immer höher und höher.

Fluss in Bukit Lawang

Er schaffte es weit genug als die Flutwelle das Dorf erreichte, er war in Sicherheit und konnte dabei zusehen, wie das Dorf von der Welle zerstört wurde. In Sekunden war das Wasser wieder verschwunden und das Dorf auch, der Dschungel war voll mit Schott und Asche. Alles war weg geschwemmt und mit der Flutwelle auch das Leben von 200 Dorfbewohnern. Dedy hörte überall Geschrei und um ihn herum suchten die Dorfbewohner ihre Angehörigen. Auch er hatte nur seine Familie im Kopf und fragte jeden der ihn entgegen kam, ob sie jemand gesehen hatte. Nach einiger Zeit fand er seine Familie und alle lagen sich weinend in den Armen, doch viele seiner Freunde und Verwandten haben dieses grausame Ereignis nicht überlebt. In den Tagen danach ging es daran, die Verwüstung zu beseitigen. Dedy erzählte mir, so wie Bukit Lawang heute aussieht, so war es vorher nicht. Dort wo heute Wasser ist war früher Land und es standen viele Häuser dort. Die Toten wurden alle begraben, manche auf ihren eigenen Grundstücken und nach und nach wurde das Dorf wieder aufgebaut. Ich hatte Gänsehaut, als Dedy mir seine Geschichte erzählte. Er sagte er lebt sein zweites Leben und ist seit her für jeden Tag unglaublich dankbar. Es ist keine Zeit für schlechte Laune, Habgier und Missgunst. Jeder sollte sein Leben schätzen und lieben. Ebenso, wie das Leben der Anderen. Er hat recht, jeder sollte sein Leben bewusst leben und sich nicht mit negativen Dingen aufhalten. Danke Dedy für deine Geschichte, sie hat mir einiges für mein Leben gelernt.

Von Bukit Lawang bin ich mit Juliette eine Freundin nach Lake Toba gereist auf die Halbinsel Tuk Tuk, die sich in Mitten des zweit größten Kratersee der Welt befindet.


Ein wunderschöner Ort und die Natur ist komplett anders. Es gibt Nadelbäume und sogar Rasen. Total unterschiedlich zum Dschungel und als wir mit der Fähre rüber zur Insel schipperten, verspürte ich plötzlich ein Gefühl von Freiheit, ich konnte atmen und ich konnte den Himmel sehen.

freier Himmel über Lake Tobt

Ich hatte gar nicht bemerkt, wie mir der Himmel nach 8 Tagen im Dschungel gefehlt hatte. Der Dschungel ist so zu gewachsen, überall Bäume und die Luft ist stickig. Mir wurde klar wie schön ein offener Himmel sein kann.
Juliette und ich verschafften uns nach den harten Tagen im Dschungel ein Wellness Programm. Wir lagen einen ganzen Tag am Wasser, waren schwimmen in dem wunderbaren, erfrischenden Kratersee, haben uns traditionell von einer alten Batak-Dame massieren lassen und gequatscht was das Zeug hält. Weiber halt. Am nächsten Tag sind wir 7 Stunden mit dem Motorbike über die Insel gedüst und haben uns die wirklich noch vorhandenen, schief gebauten Batak Häuser betrachtet. Doch von nun an trennten sich unsere Wege und ich machte mich auf nach Pulau Weh.

Als ich auf Palau Weh (wundervolle Insel) an kam und ein kleinen spartanischen Bungalow mit outside Badezimmer bezogen hatte, wurde mir klar: “ hier bleibe ich länger!“ Und so kam es das ich zwei Wochen auf der Trauminsel verbrachte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jeden Morgen um 8 Uhr wurde ich von den Affen die auf meinem Bungalowdach tobten geweckt, außerdem teilte ich mir mein Bungalow mit einer Ratte und einem riesigen Gecko, der unglaublich laute Sounds machte. Ich lernte nach und nach immer mehr Leute kennen, habe Freundschaften zu anderen Reisenden und zu Einheimischen geschlossen und verbrachte jeden Tag/Abend mit meinen Freunden. Nach einiger Zeit kannte mich jeder an meinem Stand, wenn ich ins Dorf ging, blieb ich überall für Smalltalk stehen und jeder grüßte mich mit meinem Namen. Ein großartiges Gefühl, ich fühlte mich nach langer Zeit etwas heimisch. Einige Male sind wir abends mit Proviant auf einem kleinen Boot zu einer kleinen Insel gefahren, haben ein BBQ auf offenen Feuer gemacht, Bier getrunken, gequatscht, gelacht, getanzt und dass alles mit Begleitung von Gitarren Musik.

mit Freunden und Boot auf die Insel

 

BBQ am Strand

 

 

 

 

 

 

Wir sind nachts schwimmen gegangen. Das war der absolute Wahnsinn, überall war leuchtender Plankton im Wasser und wenn wir uns bewegten, sah es so aus als ob Sterne aus unserem Körper sprühten. Hinzu kam, dass der ganze Himmel voll mit strahlend hellen Sternen war. Wir waren umgeben von Dunkelheit und Sternen. Ein einmaliges Erlebnis, ganze zwei Stunden tobten wir im Wasser herum. Als wir wieder ans Land schwammen und uns das letzte Stück zum Strand über Felsen im Wasser robbten, machte ein jeder von uns eine Begegnung mit Seeigeln, der eine in seiner Hand – der andere im Fuß und ich ausgerechnet ich setzte mich mit meinem Po in einen Seeigel. War ja klar. So lustig die Situation auch war, es war eine schmerzhafte und blutige Angelegenheit, die ca. 15 Stachel aus meinem Hintern zu entfernen. Doch ich hatte nette Helfer, die mich dann auch gleich mit Heilmitteln direkt aus der Natur verarzten und somit eine Entzündung verhinderten.

Ein Ziel im Auge:

Mein Ersthelfer nach mit dem Seeigelunfall war Danei. Er wusste was zu tun war, weil er auf Pulau Weh groß geworden ist und zudem als Dive Master arbeitet. Er kennt die Gefahren unter Wasser. In den nächsten Tagen lernte ich Danei immer besser kennen, wir verbrachten viel Zeit miteinander und er zeigte mir die schönsten Stellen der Insel.

Dalei von Palau Weh

Danei ist 32 Jahre alt und lebt mit seiner kranken Mutter, die er pflegt auf Pulau Weh. Sein Vater wurde bei der Holzbeschaffung von einem Baum erschlagen, als Danei 7 Jahre alt war. Das bedeutete für Danei und seinen Bruder, dass sie nicht mehr zur Schule gehen konnten, sie mussten die Familie versorgen und Geld verdienen. Also suchten sie sich überall Aushilfsjobs, sie machten alles was zu finden war. Einige Jahre später ereignete sich ein Unglück. Die Fähre vom Festland nach Pulau Weh hatte einen technischen Fehler und die Luke öffnete sich auf offenen Meer, alle Menschen starben und unter ihnen auch Danei´s einzige Schwester. Insgesamt starben 600 Leute. Danei erzählte mir noch mehr aus seinem Leben. In Sumatra und besonders in der Province Aceh, zu der Pulau Weh gehört, herrschte von 1976-2005 ein grausamer Krieg. Dieser wurde durch eine schlimme Naturkatastrophe die sich im Jahre 2004 ereignete beendet. Ein Tsunami kam über West-Sumatra. Pulau Weh blieb soweit verschont, dass kein Mensch sterben musste, nur die Häuser etc. waren teilweise zerstört. Das Festland (Banda Aceh) hingegen traf es am schlimmsten. Zehntausende Menschen starben durch den 15 Meter hohen Tsunami. Es waren drei gewaltige Wellen, die alles verwüsteten. Er selber befand sich auf Pulau Weh und konnte sich wie alle anderen dort retten, indem er auf einen Hügel rannte. Nach dem grausamen Ereignis, fuhr Danei direkt rüber aufs Festland, er wollte nach seinem Bruder Ausschau halten. Er sah das erschreckende Ausmaß, es lagen Tote überall, einige bereits aufgereiht mit Tüchern bedeckt, andere noch überall verteilt und manchmal auch nur Körperteile. Die Menschen weinten und suchten nach Angehörigen. Danei konnte sein Bruder finden, doch die Frau und die Kinder seines Bruders waren dem Tsunami zum Opfer gefallen. Einige Tage half Danei den Menschen in Banda Aceh und nach einigen Tagen traf auch Hilfe aus Europa ein. Er erzählte mir dass der Gestank von Tag zu Tag bestialischer und unerträglicher wurde. Er selber war nur noch geschockt von dem was er gesehen hatte. Seine Kraft war am Ende und er fuhr zurück nach Pulau Weh um sich auszuruhen.

Als Danei mir seine Geschichte erzählte, saßen wir auf einem Felsen und hatten einen weiten Ausblick über den Ozean. Ich sah das Meer und dachte die Natur ist unberechenbar und gewaltig, das Einzige was ein Mensch tuen kann, ist die Natur zu respektieren und diese gut zu behandeln. Wir waren beide sehr nachdenklich und ich hatte Gänsehaut. Danei beendete seine Geschichte mit dem Satz: „etwas Gutes hatte der Tsunami, der Krieg war beendet.“


Heute ist Danei Dive Master und er möchte unbedingt noch seinen Dive Instruktor machen um, später mehr Geld zu verdienen. Er hat Ziele und arbeitet hart daran. Sobald er das Geld für den Instruktor zusammen hat, wird er nach Bali gehen und den Kurs absolvieren, dass Wissen dafür hat er schon. Danei ist ein fröhlicher, junger Mann, viel am lachen und macht gerne Jokes. Er lässt sich nicht unter kriegen und behält seine Ziele im Blick.

Sumatra mit der Natur, den Tieren und den Menschen hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn es als Frau alleine manchmal nicht ganz einfach zu bereisen war. Ich habe die schönsten Begegnungen in Sumatra erlebt und kann sagen, diese Insel würde ich wieder besuchen.

Hier noch ein paar andere Menschen die ich auf meinem Weg auf Sumatra traf…

.

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*