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Die Herausforderung der Akklimatisation

Im Oktober 2017 habe ich meine Langzeitreise durch Südamerika gestartet und dies ist mein erster Beitrag aus der Ferne.

Quito
Quito

Die Entfernung von Deutschland nach Ecuador beträgt 10.032,96km und Quito (Hauptstadt Ecuador) liegt auf einer Höhe von 2.850 m und ist damit die höchst liegenste Hauptstadt der Welt. Jetzt stell dir mal vor, du lebst auf der Zugspitze (Deutschlands höchster Berg), Quito befindet sich nämlich knapp auf der gleichen Höhe. Das bedarf zunächst einmal der körperlichen Akklimatisation.  Bemerkbar machte sich der Höhenunterschied bei mir etwas durch Kurzatmigkeit und leichte Kopfschmerzen. Ansonsten wurde ich von den Symptomen der Höhenkrankheit verschont, da hat sich der 4 Monate zuvor bestiegene Kilimanjaro doch bezahlt gemacht. 

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Cotopaxi 5.897m

Doch worauf ich eigentlich hinaus will, ist nicht nur die Anpassung an ein anderes Klima, sondern im übertragenen Sinne die Akklimatisation / Gewöhnung an neue oder veränderte Lebensumstände, die sich mir auf dem südamerikanischen Kontinent eröffneten.

Die ersten Moment, wie immer bei einer weit entfernten Reise, werden von einen wundervollen Kulturschock geprägt. Denn wie du dir vorstellen kannst, läuft das Leben auf der anderen Seite der Welt auch etwas anders. Sprache, Infrastruktur, Essen, Hygiene, Sicherheit…

Die Standards wie sie in Deutschland herrschen sind hier nicht vorausgesetzt. Da bedarf es erstmal einer gewisse Zeit, um  die Gegebenheiten zu adaptieren, doch wenn das geschehen ist, empfindet man alles schnell wieder als normal und mittlerweile habe ich mich in dieser Welt gut zurecht gefunden. Es ist jeden Tag ein spannendes Abenteuer.

Psychologische Anpassung

Doch auch die psychologische Anpassung spielt eine Rolle. Ich musste mich erstmal mit den Gedanken auseinandersetzten, dass ich nun für eine längere Zeit mein Lebensmittelpunkt auf Südamerika verlagern werde, meine Liebsten weit weg sind und ich alleine unterwegs bin. Auch das war ein Prozess für mich, den ich durchlaufen musste. Ich bin auf mich alleine gestellt und entscheide alles selbst, ein großer Schritt in die Freiheit, der mir nach der Zeit des Ankommens doch sehr gefällt.

Das Leben in Deutschland, geprägt vom Alltag und einer funktionierenden Struktur habe ich hinter mir gelassen. Die gewohnten Tagesabläufe, sind hier nicht mehr aktuell. Es gibt kein Arbeitsalltag mIMG_3359ehr, der schon am frühen morgen durch stressige Verkehrssituationen zu einer hektischen Lebensweise führt. Entschleunigung ist angesagt, die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Für mich zunächst erstmal eine Herausforderung, doch die entspannte Mentalität der Ecuadorianer macht es mir etwas leichter und ich füge mich immer mehr der Zeit die ich habe. Ein großes Geschenk, welches es anzunehmen gilt.

Ich habe diesen Schritt auf den anderen Kontinent gemacht, weil ich mich nach Freiheit sehne. Das für mich wichtigste was ich in meinem Leben besitzen kann. Doch die Fähigkeit die absolute Freiheit zu nutzen, musste ich mir erstmal mühsam erarbeiten. Der Prozess beginnt beim los lösen aus dem gewohnten Leben in Deutschland, geht über das Akzeptieren anderer Lebensumstände, bis zur Entschleunigung meiner selbst.

Diary

Ich bin nun zwei Monate in Ecuador unterwegs und habe wundervolle Menschen kennengelernt, bezaubernde Abenteuer erlebt und schon viel lernen dürfen. Mit dem Fuß auf der Bremse und dem genießen der gewonnenen Freiheit geht es nun weiter nach Kolumbien.

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